Fachschaft: Deutsch (Gymnasium)


Kreatives Projekt Q 12: Lyrik im Stil des Expressionismus selbst verfassen

Der Expressionismus war eine literarische Bewegung zwischen 1910 bis ca. 1925. Eines der wichtigsten Themen dieser Strömung stellte die Großstadt dar. Dabei ging es um Anonymität, Einsamkeit, aber auch um Zivilisations- und Gesellschaftskritik. Die Autorinnen und Autoren verwendeten vor allem Farben, Neologismen, Symbole, sie arbeiteten mit Verfremdungen oder Vergleichen, um die Widersprüche ihrer Zeit darzustellen.

Der Anfang und das Ende eines typischen Stadtgedichts lautet z. B.:

 

Alfred Wolfenstein: Städter (1914)

Dicht wie die Löcher eines Siebes stehn 
Fenster beieinander, drängend fassen
Häuser sich so dicht an, […]
 
Und wie still in dick verschlossner Höhle
Ganz unangerührt und ungeschaut
Steht ein jeder fern und fühlt: alleine.

 

Die Schülerinnen der 12. Jahrgangsstufe erhielten den Auftrag, eigene Stadtgedichte für das Jahr 2022 im expressionistischen Stil zu verfassen. Die Ergebnisse waren sehr überzeugend.

Bck/Kun

 

Eine neue Stadt

ein Schritt in eine Stadt.

Arbeit, es wartet glückliches Leben

aber trubelnde Massen werden zugegeben:

der Traum des Glanzes zeigt sich matt.

 

Massen, Maschinen, Menschen ohne Ende

keine gefundenen Abstände.

keine Wohnungen, sondern Zellen,

Frohsam breitet sich über jede freie Stelle.

 

früher gehen Sonnen unter

Blätter fallen runter, werden dunkler

versandende Natur scheint unmunter.

 

ohne Geld und Stille, ohne Wille

leben, aber in einer Familie 

bei allen sieht man die gleiche Linie.

 

Maja Vaupel Q 12

 

 

Wintermorgen

alles so voll und trotzdem ist es hier leer

wo hörst du auf, wo fang ich an im Gedränge

der Massen, die sich wellenwogend schlängeln durch die Enge

wo ich keinen kenn und keiner kennt mich mehr

 

jemand biegt in die Straße ein und ich biege ab

und schweigend ziehen aneinander vorbei

gähnende Gesichter, die vor Einsamkeit schreien

und fremde Fenster sagen, dass ich mich verlaufen hab

 

ich stolpere von waberndem Essensduft

um die Ecke, in kaltklare Winterluft

atme beides tief in mich hinein

 

denn trotz den Hunderten von Menschen

die um mich herum die Kälte bekämpfen

bin & werd ich hier immer nur eines sein: allein

 

Paula Scheugenpflug Q 12

 

 

Stadt

Glas, Spiegel überall

ich spiegle mich

bilde mich ab

für einen Augenblick

 

bis ich zur nächsten

glitzernden Fassade gelange

die nichts verrät

über das Leben darin

 

In einer Stadt aus Einsen und Nullen

gebaut von Maschinen

zweckmäßig, aber tot

 

Nur noch Daten strömen

durch die Gassen

wo einst Leben herrschte

 

Franziska Ziegler Q 12


Benefiz-Lesung zugunsten der Ukraine-Nothilfe

Im gut gefüllten Festsaal der St. Marien-Schulen hieß Schulleiter Dr. Hans Lindner drei besondere Gäste willkommen: Die Schriftstellerin Angela Kreuz und ihr Kollege Dieter Lohr – zwei bekannte Gesichter aus dem Regensburger Literaturbetrieb, die bereits den Kulturförderpreis der Stadt erhalten hatten – sowie die ukrainische Studentin Alla Mazharova aus Odessa, der Partnerstadt Regensburgs. Die Besucher waren im Auftrag des Verbands Deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Ostbayern an die Schule gekommen, um für die Schülerinnen der Q 11 und interessierte Lehrkräfte eine Lesung mit ukrainischer Literatur anzubieten.

Das Ziel der Veranstaltung war es, dem Publikum einen Einblick in den Literaturbetrieb und vor allem die Gegenwartsliteratur der Ukraine zu bieten, um so auf einer kulturellen Ebene gegenseitiges Kennenlernen, Verstehen und Wertschätzung zu fördern. Gerade in einer Zeit, in der immer mehr Menschen aus dem Kriegsgebiet Zuflucht bei uns suchen, sind diese Werte – nicht zuletzt im Sinne der christlichen Nächstenliebe – von einer besonderen Bedeutung. Eine überraschende Erkenntnis für viele Schülerinnen war, dass die gewaltsame Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und ihrem Nachbarland keineswegs nur ein modernes Phänomen ist, sondern die ukrainische Kultur seit Jahrhunderten wesentlich geprägt hat.

Anhand ausgewählter Gedichte bot Alla Mazharova, die am renommierten Europaeum an der Universität Regensburg den Studiengang Ost-West-Studien belegt, den Schülerinnen einen Einblick in den literarischen Kanon der Ukraine, der auch für den dortigen Schulunterricht maßgeblich ist. Durch Videosequenzen zwischen den Textausschnitten wurde deutlich, wie sehr die Arbeit vieler zeitgenössischer Kulturschaffender in der Ukraine heute auch politisches Engagement miteinschließt.

Die Lesung war als Benefiz-Veranstaltung konzipiert. Alle Vortragenden verzichteten auf ihr Honorar. Stattdessen spendeten die Schülerinnen der Q 11 insgesamt 420 € für die Ukraine-Nothilfe des Regensburger Vereins Space-Eye. Der Betrag konnte noch am selben Tag an Michael Buschheuer, den Vorstand von Space-Eye, überreicht werden.

(Dr. Stefan Beck)


Literaturshows mit Tina Kemnitz

Am 5. Mai hießen wir mit Tina Kemnitz einen besonderen Gast an unserem Gymnasium willkommen. Die Sprechwissenschaftlerin und Rhetoriktrainerin war aus Berlin angereist, um zum zweiten Mal in diesem Schuljahr an unserem Gymnasium Literaturshows durchzuführen. Im Festsaal wurde sie von den Schülerinnen der 6., 8. und 10. Klassen gespannt erwartet.

Die Literaturvermittlung ist nicht nur im Deutschunterricht von zentraler Bedeutung, sondern für Frau Kemnitz eine richtige Herzensangelegenheit. Sie ist Gründerin des Vereins „Tolles Buch“, der sich der Lesefreude und Leseförderung von Kindern und Jugendlichen widmet.

Im Rahmen dreier unterhaltsam moderierter Bücherpräsentationen wurden den Schülerinnen der verschiedenen Jahrgangsstufen jeweils sechs altersgemäße und aktuelle Jugendbücher vorgestellt. Auf humorvolle Weise bot Tina Kemnitz Einblicke in die verschiedenen Werke und trug einige Passagen daraus vor. Abschließend stimmten die Schülerinnen über ihre Favoriten ab. Durch die Lesungen konnten bei den Mädchen neue Anreize für die eigene häusliche Lektüre oder den nächsten Bibliotheksbesuch gesetzt werden.